Gedanken zur Managerhaftung

Kaum jemand denkt in der allgemeinen Managerbeschimpfung an das hohe Risiko, mit dem auch Mittelständler über Nacht in Gefahr geraten können. Schon der kleinste Fehler kann heutzutage die Erfolge viele Jahre mit einem Schlag zunichte machen. Dann geht es schnell ans Eingemachte, an Rücklagen und an das Privatvermögen – sei es durch Dritte oder sogar durch eigene Mitgesellschafter.

Bei börsennotierten Unternehmen ist die Managerhaftung längst fester Bestandteil des Risikomanagements. Die sogenannte D&O Versicherung (Directors & Officers Liability Insurance) springt ein, sobald ein Vorstand oder Geschäftsführer dem Unternehmen schadet – sei es durch eine Fehlentscheidung oder weil er seine Pflichten als Führungskraft aus irgendeinem Grund verletzt hat. Das nämlich kann bereits durch eine unbedachte Äußerung geschehen – wie beispielsweise beim Lapsus des ehemaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Rolf Breuer, der öffentlich Zweifel an Leo Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert hatte. Auch Wirtschaftsgrößen wie der ehemalige Siemens-Vorstand Heinrich von Pierer können noch Jahre später für ihr Handeln haftbar gemacht werden.

Mehr Schutz und Sicherheit für den Mittelstand
Seit gut zehn Jahren können auch kleinere Unternehmen die Haftungsregeln einer D&O-Absicherung nutzen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Mittelständische Unternehmen bewegen sich zunehmend in einem internationalen Umfeld. „Just in time“- oder „On-Demand“-Produktionsmethoden verschärfen alle Anforderungen. Die Anzahl der Vorschriften steigt ebenso wie die Zahl der Anwälte, die über deren Einhaltung wachen. Verbraucher sind anspruchsvoller und klagefreudiger geworden. Insolvenzverwalter suchen ohne Ansehen der Unternehmensgröße konsequent nach Managementfehlern im Vorfeld einer Insolvenz.

Für all das gibt es keinen Sicherungsschirm von der Regierung. Wo große Worte aus Berlin für Mittelstand und kleine Unternehmern nur leeres Stroh sind, hilft die D&O-Versicherung. Sie bietet Schutz und ist Schirm gegen unberechtigte Ansprüche. Die D&O Versicherung ist eine echte Haftpflichtversicherung, keine Kaskoversicherung. Wird ein Entscheidungsträger zu Unrecht belangt, so wehrt D&O den Anspruch ab und übernimmt die erforderlichen Kosten.

Die Prämienzahlung für eine D&O-Versicherung durch das Unternehmen stellt keine Vergütung dar. Es handelt sich vielmehr um echte Fürsorgeaufwendungen. Genehmigungen durch den Aufsichtsrat oder durch die Gesellschafterversammlung sind somit nicht erforderlich. Der Vorteil für das Unternehmen: D&O-Prämien sind als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar. Sehr wichtig ist bei einer D&O auch der Umfang der Nachhaftung. Der Zeitraum sollte mehrjährig und unverfallbar sein, denn D&O-Deckungen richten sich nach dem Prinzip der Anspruchserhebung („claims made“). Damit kann der Versicherungsfall auch nach dem Ende der Vertragslaufzeit gemeldet werden.

by: Ralph W. Barth

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